Patientenverfügung

Grundproblem

 

Alleinig der mutmaßliche Wille des Patienten ist für die ärztliche Entscheidung entscheidend - nicht der naher Angehörige oder Ehepartner! Ärzte haben grundsätzlich die gesetzliche Pflicht, Leben so lange wie möglich zu erhalten. Die Möglichkeiten der (Apparate-) Medizin machen es immer wichtiger, sich vorher konkret mitzuteilen, solange es noch möglich ist.

 

 

 

Regelungsbereich

 

In der Vergangenheit wurden Patientenverfügungen teilweise nicht beachtet, weil Behandlungssituation nicht genau genug vorausgesagt wurde. Die Behandlungssituation, für die die Vorabentscheidung getroffen werden soll, sollte möglichst genau beschrieben werden Eine Beratung durch den Hausarzt ist sehr zu empfehlen. Zwei Bereiche werden durch Patientenverfügungen geregelt: Pflegefall und Sterbeprozess selbst. Gerade bei einem Pflegefall ist eine Verfügung besonders wichtig, da hier die Gestaltung des Lebens für viele Jahre betroffen sein kann.

 

 

 

Bevollmächtigung

 

Der Arzt muss die Entscheidung einer (konkret) bevollmächtigten Person mit berücksichtigen. Auch dann, wenn schriftliche Angaben dem Arzt zur Feststellung des mutmaßlichen Willens allein nicht ausreichen, kann die Person des Vertrauens daher entscheiden (mit der zuvor über Vorstellungen gesprochen wurde). Arzt und Betreuer/Bevollmächtigter müssen dann im Sinne des Betroffenen über konkrete Behandlung entscheiden.

 

Bei langwieriger Erkrankung sollte dem behandelnden Arzt ein Exemplar der Patientenverfügungen übergeben werden und mit ihm über die Vorstellungen gesprochen werden.

 

 

 

Form

 

(Hand-) Schriftlichkeit genügt für die Patientenverfügungen. Eine notarielle Beglaubigung ist nicht notwendig, aber in vielen Fällen sinnvoll: der Notar darf Beglaubigung nur ablehnen, wenn er von der Geschäftsunfähigkeit überzeugt ist. Mehr Beweiswert hat daher die Beurkundung, da hier die Geschäftsfähigkeit positiv festgestellt werden muss.

 

 

 

Mindestalter

 

Auch Minderjährige können Patientenverfügungen aufsetzen, wenn sie die Tragweite ihrer Entscheidung verstehen. Ärzte dürfen aber nicht gegen den Willen des Sorgeberechtigten den vom Minderjährigen geäußerten Willen umsetzen. Vorstellungen und Wünsche sollten daher mit den Eltern besprochen werden.

 

 

 

Inhalt

 

Inhalt der Patientenverfügungen ist eine genaue Beschreibung der medizinischen Behandlung (Situation, Therapiewünsche, Umfang und Dauer bestimmter Maßnahmen). Je genauer für möglichst viele Behandlungssituationen eine Vorabentscheidung getroffen wird (z.B.: Komplikationen bei schwerem Schlaganfall, bleibende Schäden bei unterschiedlichen Erkrankungen) getroffen wird, desto eher werden die geäußerten Wünsche umgesetzt.

 

Ein Vorab-Gespräch mit einem Arzt ist daher sinnvoll, am besten Aufnahme eines Vermerks über das Gespräch in die Krankenakten. Bei den Kosten für ein solches Beratungsgespräch ist zu beachten, dass nur im Rahmen einer bestehenden Krankheit Beratungskosten von der Krankenkasse übernommen werden. Kosten bei privater Abrechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte, sollten sie vorher mit ihrem behandelnden Arzt abklären.

 

 

 

 

Verbindlichkeit

 

Der Arzt wird von der Wirksamkeit der Patientenverfügungen grundsätzlich ausgehen (es sei denn deutliche Anhaltspunkte für Entscheidungsunfähigkeit zur Zeit der Abfassung oder geänderten Willen). Wenn sich ein mutmaßlicher Wille nicht eindeutig ergibt, muss der Arzt andere Indizien zur Ermittlung heranziehen (z.B. Angaben des Bevollmächtigten).

 

 

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