Todesfall - Was tun?

Der plötzliche Todesfall stellt die Angehörigen immer wieder vor Probleme. Besonders die Abwicklung der behördlichen Formalien fällt in der konkreten Situation besonders schwer.

 

 

 

Benachrichtigung des Arztes

 

Wenn der Erblasser zu Hause versterben sollte, ist umgehend ein Arzt zu benachrichtigen, der den Totenschein ausstellt.

 

 

 

Anzeige beim Standesamt

 

Diese muss gem. § 28 PStG spätestens am dritten auf den Tod folgenden Werktag erfolgen. Zur Anzeige verpflichtet sind v.a. Familienangehörige und die mit dem Verstorbenen in häuslicher Gemeinschaft lebenden Personen, derjenige, in dessen Wohnung sich der Sterbefall ereignet hat, oder jede andere Person, die beim Tod zugegen war oder aus eigenem Wissen hiervon unterrichtet ist. Zuständig ist das Standesamt am letzten Wohnsitz. Die Sterbemitteilung wird vom Standesamt an das Zentrale Testamentsregister (ZTR) der Bundesnotarkammer und übergangsweise bis zur vollständigen Erfassung der Registrierungen im ZTR an das Geburtsstandesamt, bzw. Amtsgericht Berlin Schöneberg übersandt, wo von Amts wegen eine Abfrage zu hinterlegten letztwilligen Verfügungen und eine entsprechende Benachrichtigung des zuständigen Nachlassgericht am letzten Wohnsitz des Verstorbenen erfolgt. Genaue Angaben zu den Angehörigen des Verstorbenen, vorhandenem Grundbesitz und bestehenden letztwilligen Verfügungen erleichtert und beschleunigt ein evtl. Nachlassverfahren.

 

 

 

Testamentseröffnung

 

An erster Stelle steht die Suche nach einem Testament (evtl. Hinweise auf Bestattungswünsche). Jedes aufgefundene Testament muss beim Nachlassgericht (das Amtsgericht des letzten Wohnsitzes) abgeliefert werden. Die Herausgabe kann vom Nachlassgericht erzwungen werden, eine Unterdrückung ist strafbar! Das abgelieferte oder in amtlicher Verwahrung befindliche Testament wird vom Nachlassgericht in einem Termin eröffnet und die Erben werden benachrichtigt. Beteiligte, welche bei der Eröffnung nicht zugegen waren, werden von dem sie betreffenden Inhalt in Kenntnis gesetzt. Benachrichtigt werden neben den Begünstigten insbesondere auch diejenigen, die ohne das Vorhandensein der letztwilligen Verfügung gesetzliche Erben geworden wären. Weitere Maßnahmen trifft das Nachlassgericht nicht.

 

Wichtig: Es gibt keine amtliche Erbenermittlung mehr (entsprechende Pflicht des Nachlassgerichts ist seit 1.1.96 weggefallen). Erbenermittlungsverfahren werden nur noch bei Anhaltspunkten für Grundbesitz durchgeführt: in diesem Fall weist es die Angehörigen auf ihre Grundbuchberichtigungspflicht hin.

 

Die Kosten einer angemessenen Beisetzung haben die Erben zu tragen.

 

 

 

Entscheidung über Annahme oder Ausschlagung der Erbschaft

 

Dazu unter "Reaktionen der potentiellen Erben" genauer.

 

 

 

Grundbuchberichtigung

 

Diese ist alsbald erforderlich, wenn der Verstorbene Grundbesitz hinterlässt. Eine sofortige Berichtigung vermeidet Unannehmlichkeiten und Zeitverzögerungen, wenn der Erbe später den ererbten Grundbesitz veräußern oder beleihen will. Die erforderlichen Dokumente können u.U. nur noch mit großer Mühe beschafft werden, wenn die Berichtigung nach dem Erbfall versäumt wurde. Will der Erbe das Grundbuch berichtigen lassen, genügt ein formloser Antrag beim Grundbuchamt. Das Grundbuchamt wirkt auf Berichtigung hin, notfalls mit Zwangsgeldern. Berichtigung binnen zweier Jahre nach dem Erbfall ist gerichtsgebührenfrei!

 

 

 

Nachweis der Erbfolge: Erbschein

 

Das Grundbuchamt kann nur bei entsprechendem Nachweis der Erbfolge umschreiben; auch Banken, Behörden und Versicherungen verlangen häufig einen solchen Nachweis. Wenn kein notarielles Testament (mit Eröffnungsprotokoll) vorgelegt werden kann (oder Erbvertrag),  muss der Nachweis durch Vorlage des Erbscheins geführt werden.

 

Der Erbschein wird nur auf Antrag vom Nachlassgericht erteilt. Die Erteilung ist kostenpflichtig, die Gebühr ist abhängig vom Nachlasswert. Zum Nachweis der Verwandtschaftsverhältnisses sind sämtliche Personenstandsurkunden vorzulegen (Geburts-, Heiratsurkunde); Wegfall von potentiellen Miterben ist durch Urkunden (Sterbeurkunde, Erbverzichtsvertrag) nachzuweisen. Ein handschriftliches Testament, das noch nicht eröffnet ist, muss im Original vorgelegt werden.

 

 

 

Auseinandersetzung des Nachlasses

 

Es ist möglich, dass der Erblasser in seiner Verfügung von Todes wegen mehreren Personen etwas zugewandt hat. Wenn mehrere Erben gegeben sind, so bilden diese eine sog. Erbengemeinschaft, sie können nur gemeinsam verfügen (z.B. ein nicht mehr benötigtes Auto verkaufen). Dies führt oft zu Schwierigkeiten: der Einigungsprozess kann z.B. nicht erreicht werden, die Erben wohnen oft verstreut, etc. Zur Aufhebung dieser meist lästigen "Zwangsgemeinschaft" kann jeder Erbe die Aufhebung (sog. Auseinandersetzung) verlangen. Wichtigste Ausnahme, die eine Auseinandersetzung verhindert: Eine Teilung ist im Testament für bestimmte Zeit ausgeschlossen (z.B. um einen Familienbetrieb zu erhalten).

 

Art und Weise der Auseinandersetzung: Hat der Erblasser einen Testamentsvollstrecker eingesetzt, gehört die Auseinandersetzung zu seinen Aufgaben. Maßgebend ist in erster Linie die im Testament getroffenen Teilungsanordnungen des Erblassers, i.Ü. ist die Verteilung Sache der Erben. Zur Einigung kann die Hilfe des Nachlassgerichts in Anspruch genommen werden. Können sich Erben trotz dieser Vermittlung nicht einigen, bleibt nur noch der Klageweg. In bestimmten Fällen - besonders bei Grundbesitz - bedarf die Auseinandersetzung der notariellen Beurkundung.

 

 

 

Reaktionen der potentiellen Erben

 

Ausschlagung der Erbschaft

 

Grundsätzlich gilt: Wer erben will, muss auch die Schulden übernehmen, und zwar grundsätzlich sind diese auch aus dem eigenen Vermögen zu begleichen! Bei überschuldeter Erbschaft kann daher Ausschlagung zweckmäßig sein. Für die Ausschlagung ergibt sich eine Frist von 6 Wochen nach Kenntnis vom Anfall der Erbschaft. Eine Ausnahme: der Erblasser hatte seinen letzten Wohnsitz im Ausland oder der Erbe hielt sich bei Fristbeginn im Ausland auf: hierbei verlängert sich die Frist auf 6 Monate. An die Form der Erklärung sind strenge Voraussetzungen geknüpft. Diese kann nur gegenüber dem Nachlaßgericht: zur Niederschrift oder öffentlich beglaubigt (d.h. in einem Brief mit notariell beglaubigter Unterschrift) erfolgen. Die Ausschlagung und die Annahme der Erbschaft sind in der Regel bindend. Jeder Erbe (auch Abkömmlinge des durch Ausschlagung Ausscheidenden ) muss selbständig ausschlagen.

 

Nachlaßbeschränkungen

 

Ist innerhalb der 6 Wochen nicht klar, ob die Erbschaft wirklich überschuldet ist, kann die Haftung für die geerbten Schulden auf die Erbmasse beschränkt werden: Das eigene Vermögen bleibt vor fremdem Zugriff gesichert, eventuelle Gläubiger können sich nur an die Erbmasse halten. Verfahren: Ein Antrag auf amtliche Verwaltung der Erbschaft ist beim Nachlassgericht (oder auf Nachlasskonkurs beim Konkursgericht) zu stellen: Das Gericht bestellt daraufhin einen amtlichen Verwalter, der allein über die Erbmasse verfügen kann. Der Erbe kann in dieser Zeit kein Erbstück verkaufen/verbrauchen. Was nach Abzug aller Schulden übrigbleibt, steht ihm zu.  Nur soweit der Nachlass nicht einmal die Kosten dieses Verfahrens deckt, kann der Erbe die Erfüllung von Nachlassverbindlichkeiten insoweit verweigern, als der Nachlass nicht ausreicht. Er muss in diesem Fall aber den Nachlass an die Gläubiger herausgeben.

 

Aufgebotsverfahren

 

Es besteht die Möglichkeit für den Erben, durch Aufgebot die Höhe aller Nachlassverbindlichkeiten zu ermitteln und so die Erbenhaftung auf den Nachlass zu beschränken. Diese Vorgehensweise genügt, wenn nur verhindert werden soll, dass weitere unbekannte Forderungen auftauchen. Voraussetzung hierfür ist ein Antrag beim Nachlassgericht, damit alle Gläubiger innerhalb einer bestimmten Frist ihre Forderungen anmelden. Versäumt ein Gläubiger die Anmeldung, so fällt er zwar mit seiner Forderung nicht ganz aus, diese ist jedoch auf den Rest des Nachlasses beschränkt, ohne sich unmittelbar am Erbenvermögen schadlos halten zu können. Das Aufgebotsverfahren kann Klarheit darüber verschaffen, ob Anlass zur amtlichen Verwaltung besteht.

 

Beratung

 

Eine Beratung im Einzelfall ist nicht durch diesen Überblick zu ersetzen. Als Beratungsstellen kommen im Allgemeinen Rechtsanwälte sowie Notare in Frage. Bei spezifisch steuerrechtlichen Fragen ist zu empfehlen, sich an Angehörige der steuerberatenden Berufe oder Länderfinanzbehörden zu wenden. Grundsätzlich ist zu beachten, dass eine Beratungshilfe nach Beratungshilfegesetz in bestimmten Fällen zu geringer Gebühr oder kostenlos erfolgen wird.

 

 

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